Wer Möbel kauft und dabei auf echte Nachhaltigkeit achtet, stand lange vor einem Dilemma: Nahezu jeder Anbieter wirbt mit grünen Versprechen – aber die wenigsten davon sind nachprüfbar. Die Europäische Union hat auf dieses Problem mit zwei Richtlinien reagiert, die 2026 vollständig greifen: der EmpCo-Richtlinie und der Green Claims Directive.
Dieser Artikel erklärt die Green Claims Directive so, wie sie für Möbelkäufer relevant ist – verständlich, ohne juristische Spitzfindigkeiten.
Was ist die Green Claims Directive?
Die Green Claims Directive (offiziell: Richtlinie zur Begründung und Kommunikation expliziter Umweltaussagen) ist eine EU-Richtlinie, die spezifisch für „explizite” Umweltversprechen gilt – also konkrete Aussagen wie „CO₂-neutral”, „aus recyceltem Material” oder „klimafreundlich”.
Anders als die EmpCo-Richtlinie, die allgemein vage Grünaussagen verbietet, zielt die Green Claims Directive auf Unternehmen, die eine solche Aussage positiv belegen wollen: Wenn Sie als Hersteller behaupten, Ihr Produkt sei klimaneutral, müssen Sie das künftig nach einem anerkannten Prüfverfahren nachweisen lassen – und zwar durch eine unabhängige Stelle, nicht durch eine selbst beauftragte Studie.
Kurz gesagt:
- EmpCo: Vage Claims ohne Substanz sind verboten
- Green Claims Directive: Wer einen expliziten, konkreten Claim machen will, muss ihn zertifizieren lassen
Für Sie als Käufer bedeutet das: Wenn ein Möbelhersteller ab 2026 schreibt „unser Sofa ist CO₂-neutral”, muss dahinter ein geprüftes Zertifikat stehen – nicht nur ein firmeninterner Bericht.
Was konkret ändert sich für Verbraucher?
Die praktischen Auswirkungen beim Möbelkauf sind spürbar:
Mehr Transparenz bei Umweltaussagen: Unternehmen, die mit Nachhaltigkeitsaussagen werben, müssen diese künftig sichtbar begründen – entweder mit Zertifikaten oder mit einem QR-Code, der zur Nachweisdokumentation führt.
Weniger unprüfbare Versprechen: Aussagen wie „wir produzieren grüner als der Wettbewerb” oder „unsere Fabrik ist klimaneutral” sind ohne anerkannte Grundlage nicht mehr zulässig. Der Markt wird dadurch ehrlicher.
Siegel gewinnen an Bedeutung: Da unzertifizierte Eigenaussagen wegfallen, werden etablierte Umweltzeichen wie FSC, PEFC, Blauer Engel oder OEKO-TEX noch wichtiger. Sie sind die einzigen verlässlichen Signale, die den neuen Anforderungen standhalten.
Werbetexte werden konkreter: Statt „nachhaltig produziert” lesen Sie künftig häufiger: „Holz aus FSC-zertifizierten Wäldern, Lackierung mit Blauer-Engel-Zertifikat”. Das ist ein echter Fortschritt.
Diese Möbelsiegel sind nach der Richtlinie zugelassen
Folgende Zertifizierungen erfüllen die Anforderungen der Green Claims Directive, weil sie auf unabhängigen Prüfverfahren basieren:
| Siegel | Anwendung bei Möbeln |
|---|---|
| FSC | Holz und Holzwerkstoffe |
| PEFC | Holz und Holzwerkstoffe |
| Blauer Engel | Lacke, Klebstoffe, Holzwerkstoffe |
| OEKO-TEX Standard 100 | Bezugsstoffe, Polsterungen |
| EU Ecolabel | Holzmöbel, Matratzen |
| natureplus | Bauprodukte, Einrichtung |
Mehr zu FSC und PEFC und wie Sie diese Siegel beim Kauf richtig einordnen, lesen Sie im Artikel FSC vs. PEFC: Welches Holzsiegel beim Möbelkauf wirklich zählt.
Häufig gestellte Fragen
Darf ein Händler noch „nachhaltige Möbel” schreiben?
Ja, aber mit Einschränkung. Der Begriff „nachhaltig” ist nicht pauschal verboten – er muss aber entweder durch ein anerkanntes Zertifikat oder durch eine spezifische, belegbare Aussage gestützt werden. „Nachhaltige Möbel aus FSC-zertifizierter Eiche” ist erlaubt. „Nachhaltige Möbel” ohne jeden weiteren Nachweis wird künftig als problematisch eingestuft und kann abgemahnt werden.
Was ist der Unterschied zwischen EmpCo und Green Claims Directive?
Die EmpCo-Richtlinie (EU 2024/825) ist eine bereits in Kraft getretene Richtlinie, die vage, nicht nachweisbare Umweltaussagen generell verbietet. Sie gilt seit März 2026 in Deutschland. Die Green Claims Directive ist ein zusätzliches, noch spezifischeres Regelwerk, das explizite Umweltversprechen (z. B. „klimaneutral”) an ein Zertifizierungsverfahren knüpft. Sie ist derzeit im europäischen Gesetzgebungsprozess und wird voraussichtlich 2026/2027 in nationales Recht umgesetzt. Beide Richtlinien ergänzen sich: EmpCo verbietet das Vage, Green Claims Directive reguliert das Konkrete.
Wann tritt die Richtlinie in Kraft?
Die EmpCo-Richtlinie gilt seit März 2026 in Deutschland. Die Green Claims Directive wird voraussichtlich bis Ende 2026 oder Anfang 2027 in nationales Recht umgesetzt; Unternehmen haben dann in der Regel eine Übergangsfrist von 18–24 Monaten zur Anpassung.
Welche Werbebotschaften sind nach der Green Claims Directive verboten?
Explizite Umweltversprechen ohne Nachweis durch eine unabhängige Stelle: also „CO₂-neutral”, „klimaneutral”, „klimafreundlicher als X” ohne geprüftes Zertifikat. Auch der Verweis auf eigene Kompensationsprojekte reicht künftig nicht mehr aus, wenn diese nicht anerkannt sind.
Was droht Händlern bei Verstößen?
Auf europäischer Ebene müssen die Mitgliedstaaten wirksame, verhältnismäßige und abschreckende Sanktionen einführen. In der Praxis bedeutet das: Bußgelder (die sich an Jahresumsätzen orientieren können), Abmahnungen durch Mitbewerber und Verbraucherschutzorganisationen sowie mögliche Klagebefugnis für Verbraucherverbände.
Wie erkenne ich seriöse Nachhaltigkeitsaussagen?
Die einfachste Regel: Wenn eine Aussage auf ein konkretes, extern vergebenes Siegel verweist, ist sie vertrauenswürdig. Wenn sie nur aus Adjektiven besteht – „grün”, „öko”, „natürlich”, „bewusst” – ohne jede weitere Substanz, ist Vorsicht angebracht. Im Zweifelsfall hilft es, auf der Produktseite gezielt nach Zertifikaten zu suchen oder den Händler direkt zu fragen.
In unserem Händlerverzeichnis führen wir ausschließlich Anbieter, die ihre Nachhaltigkeitsaussagen mit konkreten Belegen unterfüttern können.